P1260649

Einander nicht grün sein

Liebe Christine,

aufgrund der Gedankenimpulse von Harporcrates habe ich versucht, die Redewendung “einander nicht grün sein” zu betrachten. Die bekannten Erklärungen dazu sind einfach: Einander nicht geheuer zu sein, einander nicht besonders zu mögen oder zu vertrauen. “Wir sind uns nicht grün.” Ok.

Hm. Grün. Eine Mischung aus den Farben Gelb und Blau ergibt Grün. Aber für was stehen die beiden Farben und wie bekommt man die Mischung genau so hin, dass man sich grün werden kann?

Weiße Grüße, Gabi

 

2 Gedanken zu „Einander nicht grün sein“

  1. Liebe G.
    leider “antwortet” C. nicht; (leider – zumal Sie den Beitrag an einem für mich ganz besonderen Tag geschrieben haben) – aber ich wollte heute Nacht (ich komme gerade aus der Ostermette in MS) nur kurz mitteilen: Sloterdijk ist uns zuvorgekommen; (https://www.nzz.ch/feuilleton/wir-erleben-ein-grosses-gleiten-ld.1370201) und hat einen Bereich schon thematisiert: “Erst die Mystifikation des Langsamen ergibt das, was wir aus Gründen der kognitiven Bequemlichkeit bis vor kurzem für die ein für alle Mal gegebene Ordnung der Welt hielten.” – das hätte von “uns” sein können … also seien Sie und C. auf der Hut; die Schwestern des Wahnsinns haben (eigentlich) die richtigen “Sensoren”!
    Ich habe noch ein Thema in den tiefen Gewölben, die ich dann und wann durchschreite gefunden, ich bin selbst noch erstarrt, es handelt sich um nichts Geringeres als um die “Hemmung seelischer (Weiter-)Entwicklung des (betroffenen) Menschen durch Traumatisierung. Die mir begegneten Beispiele und Fälle sind aber eine wahre Hölle, die ich hier kaum öffentlich beschreiben kann. Aber die Diagnose ist der Schlüssel zu manch schweren Problemen.
    Nicht mehr nur nach Mitternacht, sondern fast schon zur herannahenden Stunde des nächsten Tages Sonnenaufgang grüßend,
    Ihr Harpocrates

  2. Lieber Harpocrates,
    in den Tiefen verschollen, entdecke ich Ihre Mail und freue mich sehr über Ihr “Leider” :-) Ja, Sloterdijk kommt manchem zuvor. Ich erinnere Sten Nadolnys “Langsamkeit”. Und ich entdecke noch ein Lob – für unsere Sensoren. Sie sind nicht ohne Grund brauchbar. Unser Alltag lehrt uns eine Menge und was Sie beschreiben als Durchschreitungserkenntnis tiefer Gewölbe ist oft genug unser tägliches Brot. Bedenken Sie die alten Mysterien, in denen die Mysten die Erfahrung der tiefsten Tiefe bis hin zum fast physischen Tod erlebten, um dann die Höhen des Geistes und der Erkenntnis zu erklimmen. Das kann man schön an den Externsteinen sehen, die ein Symbol für das Schauen der Sonne um Mitternacht sein können. Oder wir nehmen – wieder einmal – Mozarts Zauberflöte zu Hilfe. Dort schildert Mozart das Drama der Einweihung mit wenigen Zeilen seines Librettisten: “Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden, wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden; wenn er des Todes Schrecken überwinden kann, schwingt er sich von der Erde himmelan. Erleuchtet wird er dann imstande sein, sich den Mysterien der Isis ganz zu weihn.” Papageno bewältigt die einfachen Hürden, er ist lebensfreudiger Mensch, für den die höheren Weihen nicht das Richtige sind, aber Tamino muss hindurch. Papageno wird gezielt gefragt: “Das himmlische Glück der Einweihung ist nicht für dich bestimmt, aber möchtest du etwas anderes?” Und was antwortet der Schelm? “Ja, ich möchte gern ein Gläschen Wein.” Übrigens – die Schwelle, die Taomino überschreitet auf dem Weg zur Einweihung (das von Cherubim bewachte Paradies), als er den beiden Geharnischten gegenübersteht, unterlegt Mozart nicht mit eigener Erfindung, sondern mit einem alten Choral “Ach Gott, vom Himmel sieh darein” – er hat erkannt, dass jetzt eine Welt betreten wird, in der die geistigen Gesetze gelten. Insofern wünsche ich Ihnen bei der mutigen Durchschreitung der tiefsten Tiefen, sich immer daran zu erinnern, dass der Gegenpol die höchste Höhe ist und dass der Aufstieg eine immense Freiheit birgt. Deshalb passt Ihre Schreibzeit auch gut – möge die Sonne um Mitternacht Sie auf einen sicheren, freudigen Weg zu sich selbst bringen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>