Erde, ich spüre dich …

Liebe Gabi,

ein hervorragender Tipp. Die meisten Leute haben zu wenig Bodenhaftung. Sie machen sich nicht klar, dass Mutter Erde eine ausgezeichnete Mutter ist, die uns trägt, die uns schenkt, was wir zum Leben brauchen.

Der Mensch ist aufgespannt zwischen Boden/Erde und Himmel/Kosmos, wir dürfen aus beiden “Welten” Gaben empfangen und sind uns dessen oft nicht bewusst. Eine Giraffe hat einen sehr langen Hals, aber die Hufe sind alle vier auf dem Boden. Wir Menschen haben oben einen runden Kopf, der mit dem Himmel korrespondiert und zwei Beine, die wie Säulen auf der Erde stehen und uns tragen.

Mit Klienten mache ich gerne Übungen zur Erdung, damit sie merken: ohne Bodenkontakt kann ich als Mensch nicht gut agieren. Bettlägerige Menschen brauchen eine feste Rolle an den Füßen, damit sie ihr Erdungsgefühl nicht verlieren, sonst sind sie “abgehoben”, nicht mehr präsent. Das ist für uns Menschen viel wichtiger als wir glauben!

Aus der Waldorfpädagogik kenne ich einen wunderschönen Spruch von Hedwig Distel, den ich Klienten oft sage und bei dem wir nachfühlen, was der Spruch uns berichtet: “Erde, ich spüre Dich,  leise berühr ich dich, duldest den Menschenfuß, nimm meinen Liebesgruß. Trägst mich mit jedem Schritt, nimmst meine Last noch mit, schenkst mir die Heimat hier, Erde, ich danke dir!”

Dankbare, geerdete Grüße

Christine

 

4 Gedanken zu „Erde, ich spüre dich …“

  1. DU STELLST MEINE FÜSSE AUF WEITEN RAUM

    Herzlichen Dank für den Morgenteeimpuls, liebe Gabi,
    und für Ihre vielfältigen Überlegungen, liebe Christine,
    mündend in Hedwig Distels wunderschönes Gedicht.

    Sommerliche Kindheitserinnerungen wecktet ihr.
    Mein Kindersommer wäre undenkbar ohne Barfuss – Erfahrungen (sie schonten Schuhsohlen): mit nackten Füssen über Kies gehen, Sägemehl, Pflastersteine, Holz, Moos, taunasses Gras, ein Stoppelfeld, nach dem Regen im Garten durch aufgeweichte Erde (Pfludi in unserer Kindersprache), durch Pfützen, mit besonderem Vergnügen auch durch Kuhfladen – dann heimkehren, sich beim Brunnen hinsetzen, die Füsse ausstrecken und auf einen Guss kaltes Wasser aus Mutters grosser Giesskanne warten, ehe man später auf den Brunnenrand sitzend die Füsse ins kalte Wasser steckte und „schwadere“ durfte, auch ein bisschen spritzen, wenn Mutter wegschaute.
    Sie kniete vor uns mit einem trockenen Tuch. Wir sassen auf einer lehnenlosen Holzbank. Sie massierte der Reihe nach unsere Füsse und half beim Anziehen der Baumwollsocken.
    Beim Schreiben fallen meinen alten Füssen die vielen taktilen Erinnerungen wieder ein.
    In den vielen Jahren seither ist meine Liebe zum Barfussgehen geblieben – barfuss gehen ist Kontakt aufnehmen zum Boden, gibt für Momente das Gefühl, von der Erde angezogen zu werden, vermittelt das Gefühl, frei und aufrecht stehen zu dürfen. In meiner jetzigen Wohnung gibt es altes Parkett (das Haus ist 110 Jahre alt), eine Wohltat für warme, alte,
    unbestrumpfte Füsse. Es gibt auch einen Hirtenteppich aus Schafwolle, so gelegt, dass man drüber gehen kann, und Klinkerplatten in der Küche, Granitplatten auf dem Balkon, Keramikplatten auf dem Badezimmerboden. Immer noch zelebriere ich oft Tagesbeginn und Tagesende barfuss, bewusst mich erdend, bewusst mich bewegend.
    Im neunten Vers des 31. Psalms steht der starke Satz: Du stellst meine Füsse auf weiten Raum.

    Agnes

  2. Liebe Agnes,
    ja, das barfuß Gehen würde heute den meisten Menschen gut tun. Sie haben das in der Kinderzeit nicht mehr tun dürfen. Man kann in Scherben, auf Zecken und sonstwas treten. Sich was aufschürfen. Dreckig werden! Bakterien, Pilze, Viren – überall lauert letztlich der Tod. Und vor lauter Schutz und Desinfektion sind daraus ängstliche, depressive und schwerstkranke Erwachsene geworden.
    Bis heute finde ich es großartig, nach einem Sommergewitter barfuß durch den Regen und vor allem durch schönen Matsch zu gehen. Ha! Das macht Spaß. Tannenzapfen, spitze Steine, Stoppelfelder – all das hatten wir als Kind “unter den Füßen”. Da haben wir von Anfang an gelernt, hinzuschauen, wo wir hintreten, sonst hats halt weh getan. Das musste uns nicht erst in der Therapie anerzogen werden, dass man sich auch mal ein Fell oder eine dicke Haut wachsen lassen muss im Leben.
    Mütter – schickt die Kinder barfuß in die Welt!
    Herzlich
    Christine

  3. Guten Tag,
    auf der Suche nach Hedwig Diestels Gedicht: Erde ich spüre dich…,suchte es für meine Mitbewohnerin Christine (!) zur Ermutigung, sie befindet sich ( eher nicht ) in der Psychiatrie.und wir wissen nicht so recht wie es weitergehen kann für sie.
    Wollte meinen Augen nicht trauen, euch liebe Schwester-des-Wahnsinns, ich glaube ja nicht an Zufälle, im internet vorzufinden.
    Sehr interessiert sendet euch GrüßeCornelia Güldenhaupt

  4. Liebe Cornelia,
    ich freue mich, dass wir dir da weiterhelfen konnten. Und vor allem allerbeste Wünsche für deine Mitbewohnerin, auf dass sie schnell genesen möge und wieder guten Halt im Leben findet. Manchmal ist es so, dann ist die weiße Fahne richtig. Also halten wir schwesterlich die Daumen und freuen uns, dass deine Mitbewohnerin so eine liebe fürsorgliche Unterstützung in dir hat. Toll!
    Herzensgruß
    Christine

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